Wie sich der Gesamtbeitrag innerhalb der Vertragslaufzeit voraussichtlich verändern wird, ist ein wichtiges Kriterium für die Entscheidung, zur PKV und zu einem bestimmten Unternehmen der PKV zu wechseln. Diese Vorausschau ist schwierig und nicht exakt möglich. Es gibt aber gewisse Anzeichen, die Rückschlüsse auf die künftige Beitragsentwicklung zulassen. So kann man prüfen, welche Maßnahmen zur Beitragsstabilisierung die Unternehmen schon heute eingeleitet haben.
Nachstehend die wichtigsten Kriterien für Beitragsanpassungen
Steigende Leistungsinanspruchnahme
Mit dem Alter steigt die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen. 80jährige Männer benötigen 8mal so hohe Aufwendungen für Arzneimittel wie 41 jährige. Die Aufwendungen für Krankenhausleistungen steigen zwischen dem 30. und dem 80. Lebensjahr um das Zehn- bis Zwölffache.
Diese wegen des zunehmenden Alters steigenden Versicherungsleistungen führen nicht zu einer Erhöhung der Beiträge, weil dafür Alterungsrückstellungen gebildet worden sind.
Berechtigt ist die Frage, warum es trotzdem zu Beitragserhöhungen kommt, die besonders ältere Personen stark treffen. Keineswegs ist es so, dass die PKV junge Personen mit niedrigen Beiträgen zunächst anlockt, um sie dann später mit hohen Beitragssteigerungen zu konfrontieren. Der Beitrag junger Personen ist — gemessen am Risiko — zu hoch, weil in ihm ein Sparanteil zum Aufbau einer Alterungsrückstellung enthalten ist.
Steigende Gesundheitskosten
Beitragserhöhungen sind die Folge allgemeiner Kostensteigerungen im Gesundheitswesen. Der medizinische Fortschritt hat es ermöglicht, dass viele Krankheiten erkannt und auch behandelt werden können, bei denen dies früher nicht möglich gewesen wäre. Viele Operationen gerade bei älteren Menschen sind in der Vergangenheit undenkbar gewesen und heute schon der Regelfall. Die Diagnostik hat sich in den letzten Jahren erheblich ausgeweitet, so dass allein dadurch Kostenschübe entstanden sind. Kostentreibend ist auch, dass neue Diagnoseverfahren oft neben etablierten unterstützend angewandt werden. Darüber hinaus sind in den letzten Jahren neue behandlungsfähige Krankheitsbilder wie beispielsweise Aids oder seltene Enzymmangelerkrankungen aufgetreten. Ein Aidskranker benötigt während seiner letzten drei Lebensjahre durchschnittlich 100.000 Euro an Behandlungskosten.
Nicht vernachlässigt werden darf, dass sich die durchschnittliche Anzahl der Arztbesuche — zum Teil auch wegen eines falsch verstandenen Ge-sundheitsbewuf3tselns — sowie der ärztlichen Verrichtungen pro Behandlungsfall weiter erhöht hat.
Ein zunehmendes Gesundheitsbewußtsein, das verstärkte Auftreten sogenannter Zivilisationskrankheiten (wie z. B. Allergien), aber auch die Ärzteschwemme sowie ein stationäres Überversorgungsangebot tragen ebenfalls zur Leistungsmengenausweitung bei.
Die hier genannten Leistungsausweitungen können in der Kalkulation des PKV-Beitrages nicht berücksichtigt werden, da sie in ihrer finanziellen Auswirkung völlig ungewiss sind. Sie müssen gewissermaßen nachkalkuliert werden, wenn sie eintreten, und das trägt danach zu Beitragserhöhungen bei.
Ein wichtiger Aspekt ist auch die ständige Zunahme der Lebenserwartung. Die auf der Basis der früher angenommenen Lebenserwartung kalkulierten Alterungsrückstellungen reichen nicht mehr aus, weil die Versicherten länger leben. Dieser Effekt wird noch dadurch verstärkt, dass privat Krankenversicherte eine noch höhere Lebenserwartung haben als der Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. Für ältere Versicherte ergibt sich daraus das Problem, dass nur wenig Beitragszeit verbleibt, um die zusätzlich erforderliche Alterungsrückstellung aufzubauen.
Kostensteigerungen im Gesundheitswesen müssen sich in Beitragserhöhungen niederschlagen, weil die PKV keine anderen Auswege hat. Die mit dem Versicherungsnehmer vereinbarte Leistung darf nicht nach unten korrigiert werden, wie dies in der GKV z. T. durch gesetzliche Leistungskürzungen geschehen ist. Die Kündigung eines Versicherungsvertrages durch den Versicherer ist ausgeschlossen, eine Aussteuerung wegen zu langer Krankheit unzulässig.
Als Quelle für obige Informationen und Grafiken diente der pkv-ratgeber "Die Expertenbroschüre zur privaten Krankenversicherung", welcher uns von Continentale Krankenversicherung a.G., Dortmund zur Verfügung gestellt wurde. Weitere Informationen können unter www.pkv-ratgeber.de angefordert werden.