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Die Marktsituation
Die Lage der Weltwirtschaft ist ein ernstzunehmendes Warnsignal. Die USA sitzen auf einem gigantischen Schuldenberg – der Staat ebenso wie die Amerikaner selbst.
In Europa zeigen sich aktuell Entwicklungen, die bis vor kurzem noch für „unmöglich“ gehalten wurden. Spanien, England, Irland – wahre Abgründe tun sich bei ihrer Staatsverschuldung auf. Griechenland droht die Zahlungsunfähigkeit. Und die verzweifelten Bemühungen der EU belegen die Verletzlichkeit des weltweiten Finanzsystems.
Für die meisten sogenannten „Experten“ steht die Konsequenz bereits fest: Inflation. Wir hingegen erlauben uns, auch in diesem Punkt eine eigene Meinung zu haben. Wir erkennen das Gegenteil von Inflation: die Deflation. Doch werfen wir einen Blick auf die Tatsachen.
Unser Ansatz: Erst die Fakten, dann die Meinung.Die Fakten: Die Weltwirtschaft hat eine Überkapazität von rund 20-30 % aufgebaut (branchenabhängig). Die umfangreichen Rettungsmaßnahmen der Notenbanken brachten und bringen keine zusätzliche Liquidität in den Markt. Vielmehr fließen die Direktinvestitionen in die Eigenkapitalausstattung der Banken, Landesbanken oder in Garantiemaßnahmen etc.
Die demographische Entwicklung in der westlichen Welt ist sehr stark rückläufig. In den nächsten 10 Jahren fehlen allein in Deutschland 3,5 Millionen Verbraucher zwischen 20 und 60 Jahren. 2,3 Millionen davon in der konsumstärksten Altersgruppe zwischen 40 und 60 Jahren. Weltweit sieht es nicht anders aus – der Wirtschaft fehlen viele Millionen Konsumenten. Diese Lücke wird direkten Einfluss auf die Aktienkurse nehmen.
Die Gründe dafür: Der Abstand der Löhne zwischen der westlichen und der östlichen Welt ist nach wie vor immens. Er wird dafür sorgen, daß die Löhne der westlichen Welt in den kommenden 10 bis 20 Jahren nachhaltig unter Druck geraten, niedrig bleiben oder sich gar verringern. Insbesondere Berufe mit „normaler“ Qualifikation sind hiervon betroffen. Nur eine Top-Qualifikation hilft, vor Lohneinbußen sicher zu sein. Diese Entwicklung wird dafür sorgen, daß wir trotz demografischer „Entspannung“ eine hohe Arbeitslosigkeit werden verkraften müssen.
Zu allem Überfluss verweigern die Verbraucher bereits heute den Konsum. Die Sparquoten zeigen weltweit nach oben. Sprich, die Verbraucher zahlen Ihre Schulden zurück oder sparen. In der Fachwelt spricht man vom sogenannten Deleveraging. Die große Party – sie ist nun vorbei.
Die Bedeutung für die westliche Wirtschaft: Die Preise steigen nicht. Sondern sie fallen, da deutlich mehr Angebot als Nachfrage besteht. Die Gewinne der Unternehmen geraten unter Druck und damit auch deren Börsenkurse. Sie fallen ebenso. Besonders gefährdet sind in diesem wirtschaftlichen Umfeld Unternehmen mit hohen Schulden.
Ein weiteres spannendes Thema: das Zinsniveau der nächsten Jahre.Die Verschuldungsquoten der westlichen Staaten und ihrer Verbraucher lassen deutlich höhere Zinsen nicht zu. Sollten die Zinsen steigen, etwa um 2% p.a., würde dies zur Zahlungsunfähigkeit führen – von ganzen Staaten und in Deutschland von Bund, Ländern und Kommunen sowie einer sehr großen Zahl an Verbrauchern.
Auch die Asiaten haben kein Interesse an höheren Zinsen. Sie würden zu einer Abwertung etwa des Dollars führen. Und als Inhaber der weltweit größten Währungsbestände wäre ihr „Papier“ plötzlich viel weniger wert. Sie benötigen ihre Währungsreserven jedoch dringend für den Kauf von Rohstoffen und Know-how, um ihre Volkswirtschaften in den nächsten Jahrzehnten weiter aufbauen zu können.
Fazit: Das Zinsniveau wird und muss in den nächsten Jahren auf historisch niedrigem Niveau bleiben.
Doch woher soll das Wachstum der Zukunft kommen? Wer soll die Probleme richten? Ein „Wachstumsbeschleunigungsgesetz“ wohl kaum – es erscheint vor diesem Hintergrund eher grotesk.
Die neue Hoffnung – Asien, Indien und die Emerging Markets.Gute Investments in diese Regionen werden sich in den kommenden 10 bis 20 Jahren hervorragend entwickeln. Vorausgesetzt, der Investor hält die hohe Volatilität wirtschaftlich und nervlich durch. Kursschwankungen von minus 30-50 % sind und werden keine Seltenheit sein.
Denn die asiatischen Unternehmen exportieren ihre produzierten Konsumartikel vor allem in die westliche Welt. Reduziert sich hier der Konsum und fallen die Preise, werden die asiatischen Produzenten unter erheblichen Druck geraten. Die Folge ist wahrscheinlich ein Platzen der Aktienblase an den asiatischen Börsen, die in den vergangenen 12 Monaten einen rasanten Anstieg erleben durften. Sprich, auch hier sind die Zeichen auf Deflation gerichtet, nicht auf Inflation.
Ein Ausblick auf die Anlageklassen.Fallende Kurse an den Aktienbörsen weltweit. Beständige oder zunehmend hohe Volatilität in den nächsten Jahren. Die alte Regel „Kaufen und Halten“ wird leider nur Geld vernichten.
Die Zinsen bleiben niedrig oder bewegen sich in einer schmalen Schwankungsbreite. Die Notenbanken werden – bei einem Aufflammen der Konjunktur – die Zinsen kurzfristig etwas anheben bzw. sie anschließend wieder senken.
Immobilien werden am stärksten leiden, da die Deflationsspirale gerade fremdfinanzierte Investments am stärksten trifft. Weniger Verbraucher mit weniger Kaufkraft können einfach keine steigenden Immobilienpreise erzeugen – sondern nur fallende.
Dies wird beschleunigt durch viele in Zukunft notleidende Finanzierungen (Zwangsverkäufe), ausgelöst durch Arbeitslosigkeit. Sie werden den Markt durch noch mehr Angebot zusätzlich unter Druck bringen. Heißt, die Preise fallen noch schneller und noch tiefer.
Unser Fazit.All diese Faktoren sorgen in den nächsten Jahren für deflationäre Entwicklungen. Die übertriebenen Preise in den einzelnen Anlageklassen werden sich auf ein vernünftiges Niveau zurückentwickeln. Dabei werden wir starke Ausschläge nach unten ebenso erleben wie ungerechtfertigt niedrige Bewertungen.
Für viele Anleger werden diese Entwicklungen schmerzhaft sein – für alle anderen entstehen exzellente Kaufgelegenheiten in den einzelnen Anlageklassen. Gerade deshalb gilt für die kommenden Jahre in besonderem Maße: Cash is King. Sowohl privat als auch betrieblich.
Wenn dieses Szenario eintritt, wird eine laufende Verzinsung von etwa 2 % pro Jahr ein gutes Geschäft für Anleger sein. Deshalb empfehlen wir: „Pulver trocken halten.“ Besser die Liquidität hoch halten und auf die wirklich guten Kaufgelegenheiten in den nächsten 2 bis 5 Jahren warten. Es wird sich lohnen!
Um in diesen Zeiten dennoch eine attraktive Rendite zu erzielen, eignen sich Investments mit klar definierter und aktiver Risikobegrenzung als maßvolle Beimischung zu sicherheitsorientierten Depots. Investments ohne aktive Risikobegrenzung hingegen sind völlig ungeeignet.
Die Anforderungen, um vor diesem Hintergrund eine Kapitalanlage bzw. ein Depot erfolgreich zu strukturieren, sind deutlich gestiegen. Und sie werden noch weiter spürbar zunehmen. Anleger sind daher gut beraten, sich ausführlich und fundiert über die wirtschaftlichen Zusammenhänge zu informieren und ihre eigenen Schlüsse zu ziehen.
Angst war und ist zu allen Zeiten ein schlechter Ratgeber. Mit einer bewusst vorsichtigen und flexiblen Gestaltung ihrer Kapitalanlagen hingegen werden Anleger in Zukunft sicherlich viel Freude haben.
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